Bombentote in Dresden

12 Jun

Frauenkirche, Semperoper und Brühlsche Terrasse sind nur drei der Sehenswürdigkeiten, die uns das Elbflorenz zu bieten hat. Die Kunstsammlung und Architektur förderten schon früh das Ansehen der sächsischen Metropole. Ebenso brachte Dresden bedeutsame Persönlichkeiten wie Erich Kästner und Gerhard Richter hervor. Allerdings ruft Dresden bei vielen auch andere Erinnerungen wach: die Bombardierung am 13. und 14. Februar 1945 und die hohen zivilen Verluste. Wieviele Todesopfer forderten die Bombenangriffe tatsächlich? Anhand mehrerer Revisionen kann die Dresdner Historikerkommission nun eine wahrscheinliche Zahl an Verstorbenen vorstellen.

Die Stadt ist auch nach über 70 Jahren Symbol für moderne Kriegsgewalt gegen die Zivilbevölkerung, für die Zerstörung und den Tod.

In der Nacht vom 12. zum 13. und am 14. Februar 1945 beschossen die us-amerikanische und britische Luftwaffe Dresden. Lange war nicht bekannt, wieviele Tote die Bombenangriffe gefordert hatten. Wenige Tage nach den verheerenden Geschehnissen stieg die Zahl der Verstorbenen in den Printmedien in übertriebene Höhen. Die schwedische Tageszeitung ‘Svenska Dagbladet’ spricht 1945 noch von 200.000 Toten, eine Zahl die vom deutschen Propagandaministerium wenige Tage später übernommen wurde. Nach dem Krieg berief der damalige kommunistische Oberbürgermeister Walter Weidauer eine Kommission zusammen. Sie kam auf ein Ergebnis von rund 35.000 Getöteten. Jörg Friedrich spricht in seiner 2002 erschienenen Monographie ‘Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945’ von 40.000 Toten. Wieviele waren es nun wirklich?

Bei der Berechnung der Opferzahlen gibt es zwei große Problemkategorien. Einerseits muss der demographische Zustand Dresdens Anfang 1945 rekonstruiert werden. Götz Bergander geht davon aus, dass sich rund 950.000 Menschen am 13. Februar 1945 in Dresden befanden. Darunter sind circa 700.000 Bewohner. Die Zahl der Flüchtlinge ist schwieriger quantifizierbar. Besonders die, die durch Dresden geschleust wurden und sich nicht dauerhaft dort niederließen. Ebenfalls ist in den Akten der Flüchtlings- und Umsiedlungskartei kein Abreisedatum vermerkt. Laut Bergander beläuft sich letztere Zahl auf 100.000, maximal 200.000. Daneben wurden noch 50.000 Soldaten und Verwundete in Lazaretten, sowie Kriegsgefangene einberechnet.
Ein zweites Problem ist das der Quellen. Neben den Akten des Dresdner Stadtarchivs gibt es enorme Neuzugänge. Es handelt sich um Nachträge aus Ämtern und Verwaltungen, Unterlagen der Bergungs- und Aufräumarbeiten. Auch falsche Erschließung und Zuordnung von Akten machten Neuerschließungen und Revisionen 1992, 2004 und 2008 nötig. Anhand dieser neu ausgewerteten Quellen hat die Dresdner Historikerkommission im Auftrag des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung eine neue Berechnung für die Opferzahlen vorgestellt. Diese Berechnungen ergeben ein Gesamtsumme von 25.000 Toten. Darunter befinden sich 8.000 angezeigte Sterbefälle, die einen Anteil von 40% ausmachen. Hinzu kommen 10.000 gerichtliche Todeserklärungen, die 50% der Gesamtsumme darstellen. Ein Zuschlag von rund 2.000 sonstigen Todesfälle (10%) soll menschlichen Fehlern und Quellenverluste entgegentreten.

Literatur:

Landeshauptstadt Dresden, Abschlussbericht der Historikerkommission zu den Luftangriffen auf Dresden zwischen dem 13. und 15. Februar 1945.


Stefan Schug, 4. Fachsemester Geschichte (B.A.).