Kreise

Version 3.0 (05.04.2020)


In dem umfangreichen Veröffentlichungsprogramm der amtlichen Statistik wurden auch immer wieder die Ergebnisse der einzelnen Erhebungen regional tief gegliedert sowohl in Tabellen- als auch Kartenform veröffentlicht.1

Beispiele aus dem Band der Reichsstatistik zur Volkszählung 1925

Eine ausführliche Übersicht über die preussischen Daten findet man bei Galloway, Patrick R., „Prussia vital registration and census data description tables 1849 to 1914 using Kreise and cities >20,000 as units of analysis“, 1988, updated in 2007. (PDF)


Für eine Reihe von Volk-, Berufs- und weiteren Zählungen sowie Wahlergebnissen liegen Statistiken auf Bezirks-, Kreis- oder sogar Gemeindeebene digital vor:

Datensätze

Name   Download-Link
Volkzählungen in Preußen 1801-1901 K www.ifo.de/de/w/3vm8pkGNY
Galloway Prussia Database 1861 to 1914 (siehe auch Blogbeitrag) K www.patrickrgalloway.com/research.htm
Regionale Entwicklungsdisparitäten im deutschen Industrialisierungsprozess 1849 – 1939 (siehe auch Blogbeitrag) R doi:10.4232/1.10279
Grunddaten der Bevölkerungsstatistik Deutschlands von 1871 bis 1939 R doi:10.4232/1.8295
Wählerbewegung im Wilhelminischen Deutschland. Die Reichstagswahlen von 1890 bis 1912 (siehe auch Blogbeitrag) K doi:10.4232/1.8145
Constituency-Level Elections Archive (CLEA) (Wahlergebnisse aller Reichstags- und Bundestagswahlen in Deutschland seit 1871 auf Kreisebene) K www.electiondataarchive.org/
Sozialökologische Analyse der Kriminalität in Deutschland am Ende des 19. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Jugendkriminalität (siehe auch Blogbeitrag) K doi:10.4232/1.8100
Die regionale Erwerbsstruktur im Deutschen Reich und in der Bundesrepublik Deutschland 1895 – 1970 R doi:10.4232/1.8212
Wahl- und Sozialdaten der Kreise und Gemeinden des Deutschen Reiches von 1920 bis 1933 (siehe auch Blogbeitrag) G doi:10.4232/1.8013
Amtliche Statistik der Erwerbstätigkeit in der DDR R doi:10.4232/1.8078
Kreisdaten (Volkszählungen 1950-1987)
Die Daten der Volkszählungen von 1950, 1961 und 1970 wurden auf den Gebietsstand zum Zeitpunkt der Volkszählung 1987 umgerechnet bzw. umgeschätzt.
K doi:10.4232/1.2472
Regionaldaten (Kreise) (1983-1986) K doi:10.4232/1.1703
Religionszugehörigkeit in Westdeutschland 1939-1987 B doi:10.4232/1.8146

(B: Bundeslandebene; R: Regierungsbezirksebene; G: Gemeindeebene; K: Kreisebene)

Karten

Als Grundlage für Choroplethenkarten eignen sich am besten Shapefiles. Diese können in R direkt zur Erstellung von Abbildungen verwendet oder in JavaScript-Datendateien umgewandelt werden, um sie mit Mapael zu visualisieren.

Für die Erstellung von Karten zur Historischen Statistik gibt es zwei wichtige Quellen für Shapefiles: zum einen die Karte der Electoral District Boundaries, Germany, 1890-1912 von Daniel Ziblatt und Jeffrey C. Blossom, die wir im Beitrag Wählerbewegung im Wilhelminischen Deutschland. Die Reichstagswahlen von 1890 bis 1912 näher erläutern, zum anderen die Historical GIS datafiles, die unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock erstellt wurden:

Deutscher Bund 1815-1870 51 Karten
Deutsches Reich 1871-1945: kleine Verwaltungsbezirke 71 Karten
Deutsches Reich 1871-1931: kleine Verwaltungsbezirke (statistische Einheiten) 58 Karten
Bundesrepublik und Deutsche Demokratische Republik (1949-1989) 36 Karten
Deutschland 1990-2009 15 Karten

Weitere, insbesondere eine Reihe von Andreas Kunz angebotenen Karten mit Bezirksgrenzen, können über das Portal geodata.tufts.edu heruntergeladen werden.

Analysen

PublikationZeitBefunde
Demographie
Knodel (1974)1871-1933Der Beginn und das Ausmaß des Geburtenrückgangs ist stark von kulturellen Faktoren beeinflusst, der sozioökonomische Wandel ist weniger bedeutsam.
Galloway / Hammel / Lee (1994)1875-1910Die Zunahme der Zahl der Frauen in nicht-traditionellen Berufen, das Wachstum von Finanzinstituten, die Entwicklung der Transport- und Kommunikationsinfrastruktur, die Senkung der Kindersterblichkeit und die Verbesserung der Bildung sind die Faktoren, die den Rückgang der Geburtenrate im 19. Jahrhundert bewirkt haben.
Galloway / Lee / Hammel (1998)1875-1910Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung und des Einkommens von Frauen, das Wachstum der Finanzdienstleistungen und der Kommunikation, die Verbesserung der Bildung und das Sinken der Kindersterblichkeit machen den größten Teil des Geburtenrückgangs in Preußen im 19. Jahrhundert aus. Im Jahr 1875 war die ländliche und städtische Fertilität ähnlich, im Jahr 1910 die städtische Fertilität jedoch zum Teil weit niedriger als im ländlichen Raum.
Klüsener / Goldstein (2009)1875-1910Den größten Einfluss auf den Beginn und das Ausmaß des Geburtenrückgangs haben neben dem Urbanisierungsgrad, die Höhe der Frauenerwerbsquote, die Rückgänge in der Kindersterblichkeit und der Anteil der katholischen Bevölkerung gehabt. Also waren neben ökonomischen auch kulturelle Faktoren relevant.
Goldstein / Klüsener (2010)1875-1910Es gibt einen prädiktiven Effekt von wirtschaftlichen als auch von kulturellen Variablen. Die Nähe zu einem Gebiet mit starkem Rückgang der Fruchtbarkeit und die Lage entlang der Kommunikations- und Transportkorridore scheinen wichtige Prädiktoren für den Rückgang der Fruchtbarkeit zu sein, die über das hinausgehen, was man von strukturellen Modellen erwarten würde. Dies unterstützt die kulturelle Diffusionshypothese des Princeton European Fertility Project.
Szołtysek et al. (2014)1885Es zeigen sich räumliche Ungleichheiten bei den Haushaltsstrukturen, die eher von Nord nach Süd als von Ost nach West geprägt sind, mit einer größeren Haushaltskomplexität im Norden des Landes. Diese Diskrepanz kann strukturell mit den wirtschaftlichen und sozioökonomischen Merkmalen der Regionen in Verbindung gebracht werden, insbesondere mit räumlichen Unterschieden in der landwirtschaftlichen Beschäftigung, der Fruchtbarkeit und der Altersstruktur.
Klüsener / Zagheni (2014)1855, 1858, 1885, 1910, 1925, 1939, 1950, 1964, 1970, 1980, 1987, 1991, 1996, 2001 und 2012Seit der Vereinigung Deutschlands im Jahr 1990 hat der ehemalige kommunistische Osten eine starke Migration nach Westdeutschland erlebt. Die Ergebnisse der Untersuchung der letzten zwei Jahrhunderte deuten darauf hin, dass seit langem bestehende geographische Unterschiede relevanter sind als die postkommunistischen Übergangskrise. Nach 1945 erfolgte auch in Westdeutschland eine Bevölkerungskonzentration in der sog. europäischen Rückenregion.
Kibele / Klüsener / Scholz (2015)1910, 1970, 1995-2011Im Laufe des letzten Jahrhunderts wurden deutliche Veränderungen in den regionalen Sterblichkeitsmustern verzeichnet: das Wiederauftreten ausgeprägter Ost-West-Unterschiede ab 1970 ist in den Jahrzehnten nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 fast wieder verschwunden. Dafür ergaben sich substanzielle Verschiebungen zwischen Nord- und Süddeutschland: die höchsten Lebenserwartungsniveaus verzeichnete zu Beginn des 20. Jh. der Norden, die niedrigsten der Süden, über die letzten 100 Jahre hat sich dieses räumliche Muster weitgehend umgekehrt. Die Zusammensetzung der maßgeblich zur Entwicklung der regionalen Sterblichkeitsmuster beitragenden Faktoren hat sich über die Zeit erheblich verändert. Außerdem scheint sich der Zusammenhang zwischen regionalen sozioökonomischen Bedingungen und den registrierten Sterblichkeitsniveaus in den letzten 100 Jahren verstärkt zu haben.
Soziologie
Johnson (1995)1883-87, 1893-97, 1898-1902Urbanisierung geht nicht mit steigender Kriminalität einher (Modernisierungsthese von H. Zehr), die Kriminalität insgesamt zeigt kein Wachstum, sondern eher einen Rückgang. Der Anstieg der Kriminalität beruht auch auf dem Erlass neuer Gesetze. Weiterhin zeigt sich hohe Korrelation zwischen Kriminalität und Armut.
Thome (2002)1883-87, 1893-97, 1898-1902Entgegen dem Befund von Johnson (1995) zeigt sich für das Deutsche Reich ein (nichtlinearer) Zusammenhang zwischen Urbanitätsgrad und Kriminalität, der sich im ländlichen Bereichen auf die Körperverletzung, in städtischen eher auf Diebstahldelikte auswirkte - bei allerdings starken Niveauunterschieden. Gering urbanisierte Regionen wie die preußischen Ostprovinzen oder Bayern wiesen weit überdurchschnittliche Raten auf. Eine starker positiver Zusammenhang zeigt sich zwischen Körperverletzung und Mortalität sowie dem Anteil ethnischer Minderheiten, ein negativer zwischen der Einkommensteuer sowie dem Anteil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst und der Freien Berufe. Den stärksten Einfluss übt die Geburtenrate aus.
Thome (2010)1883-87, 1893-97, 1898-1902Durkheims These, dass die Erosion des (traditionellen) Kollektivismus zu einem erheblichen Rückgang der Gewaltkriminalität führt, wird in einer empirischen Analyse der Kriminalitätsdaten geprüft und bestätigt. Die Unterscheidung zwischen Entwicklungs- und Struktureffekten ist hier entscheidend. Unterstützende Nachweise liefert eine zusätzliche Analyse der Suiziddaten.
Messner et al. (2013)2005, 2006 und 2007Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Häufung niedriger Raub- und Angriffsraten in Süddeutschland, insbesondere bei Raubüberfällen. Kreise mit hoher Raub- und Angriffsrate sind tendenziell solche mit einem relativ hohen sozioökonomischen Benachteiligungsgrad und einem stärker urbanisierten Umfeld. Diese Ergebnisse stimmen mit entsprechenden Untersuchungen aus den USA überein.
Politikwissenschaft/Wahlgeschichte
Falter (1991)1925-1933Die NSDAP-Wahlerfolge müssen sehr differenziert betrachtet werden. Weder der Mittelstand noch der Protestantismus waren so anfällig wie bisher angenommen; andererseits die der Arbeiter nicht so gering. Bisherige Thesen lassen sich weder vollständig bestätigen noch widerlegen.
Schmädecke (1995)1890, 1893, 1898, 1903, 1907, 1912SPD und Zentrum konnten Strukturgrenzen überspringen, wurden aber nie zu "Volksparteien". Das Zentrum kam auf maximal ein Drittel der Wählerschaft, die politisch-katholische Bevölkerug in Preußens Ostprovinzen blieb eigenständig. Die SPD konnte auch katholische Wähler gewinnen, blieb aber an den Industrialisierungsprozess gebunden. Von dem Wandel zur "Dienstleistungsgesellschaft" profitierten vor allem die Liberalen. Die Deutsch-Konservativen entwickelten sich dagegen zu einer evangelischen Agrarpartei. Generell zeigen sich im regionalen und lokalen Detail eine "Fülle von Besonderheiten, die sich nur unter Einbeziehung einer vielfältigen "kulturellen" Dimension (...) begrifflich fassen lassen."
King et al. (2008)1925-1933Die Weimarer Wahlen unterscheiden sich nicht grundlegend von anderen Wahlen. Die am stärksten von der Depression betroffenen Wähler können nicht einer einheitlichen (Wähler-) Gruppe zugeordnet werden. Die Folgen der Wahl Hitlers waren außergewöhnlich, aber für das Wahlverhalten, das dazu führte, gilt dies nicht.
Ökonomie
Acemoglu / Cantoni / Johnson / Robinson (2011)1792-1815, 1865, 1900Gebiete, die nach der Französischen Revolution von den Franzosen besetzt waren und radikalen institutionellen Reformen unterzogen wurden, erlebten eine schnellere Verstädterung und ein stärkeres Wirtschaftswachstum, insbesondere nach 1850 als solche, die nicht besetzt waren.
Redding / Sturm (2008)1919, 1925, 1933, und 1939; 1950, 1960, 1970, 1980, 1988, 1992, 2002Westdeutsche Städte verzeichneten in der Nähe der ostwestdeutschen Grenze nach der Teilung im Vergleich zu anderen westdeutschen Städten einen erheblichen Rückgang des Bevölkerungswachstums.
Becker / Wößmann (2008)1816, 1871Martin Luther forderte jede Stadt auf, eine Mädchenschule zu haben, damit die Mädchen das Evangelium lesen lernen und dadurch der Bau von Mädchenschulen in protestantischen Gegenden ausgelöst wird. Anhand von Kreis- und Stadtdaten aus der ersten preußischen Volkszählung von 1816 wird gezeigt, dass ein größerer Anteil der Protestanten das geschlechtsspezifische Gefälle in der Bildung verringert. Ähnliche Ergebnisse wurden für die geschlechtsspezifische Lücke in der Alphabetisierung der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 1871 gefunden.
Becker / Wößmann (2009)1871, 1882, 1886, 1877Max Weber führte den höheren wirtschaftlichen Wohlstand der protestantischen Regionen auf eine protestantische Arbeitsmoral zurück. Die Autoren liefern eine alternative Theorie: Protestantische Volkswirtschaften florierten, weil der Unterricht in der Bibel das für den wirtschaftlichen Wohlstand entscheidende Humankapital generierte. Der Protestantismus hat tatsächlich zu einem höheren wirtschaftlichen Wohlstand geführt, aber auch zu einer besseren Bildung.
Becker / Cinnirella / Wößmann (2010)1849Der Kompromiss zwischen „Kinderquantität“ und „Kinderqualität“ ist ein entscheidender Bestandteil allgemeiner Wachstumsmodelle, die den Übergang von der Malthusianischen Stagnation zum modernen Wachstum erklären. Ein solcher Kompromiss existierte tatsächlich bereits im 19. Jahrhundert , wobei die Kausalität zwischen Fruchtbarkeit und Bildung in beide Richtungen verläuft. Bildung im Jahr 1849 sagt auch den Übergang der Fruchtbarkeit in den Jahren 1880-1905 voraus.
Becker / Wößmann (2010)1816In allen Bezirken und Städten Preußens führte der Protestantismus bereits 1816 vor der industriellen Revolution zu mehr Schulbildung. Dies unterstützt eine Humankapitaltheorie der protestantischen Wirtschaftsgeschichte.
Becker / Hornung / Wößmann (2011)1816, 1849 und 1882Die Forschung betont zunehmend die Rolle des Humankapitals in der modernen wirtschaftlichen Entwicklung. In der britischen Textilindustrie wird ein Zusammenhang zwischen formaler Bildung und industrieller Revolution bestritten. In der Entwicklung von 1816 bis 1882 wird festgestellt, dass die Schulbildung in beiden Phasen der industriellen Revolution wesentlich mit der nichttextilen Industrialisierung zusammenhängt.
Becker / Wößmann (2011)1816-1871Der Protestantismus hatte 1816-21 und 1869-71 einen erheblichen positiven Effekt auf den Suizid.
Becker / Cinnirella / Wößmann (2012)1816Die Wechselwirkung zwischen Investitionen in die Bildung von Kindern und der elterlichen Fertilität ist in den jüngsten Theorien des Übergangs von der Malthusianischen Stagnation zum modernen Wirtschaftswachstum von entscheidender Bedeutung. Es wird ein signifikanter negativer kausalen Effekt von Bildung auf die Fertilität festgestellt. Ein Vergleich mit Schätzungen für 1849 legt nahe, dass der Effekt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zugenommen haben könnte.
Becker / Cinnirella / Wößmann (2013)1816, 1849, and 1867Die Rolle der Bildung hat bislang bei der Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Fertilität kaum Beachtung gefunden. Es werden preußische Bezirksdaten aus drei Volkszählungen kombiniert, um die Beziehung zwischen der Bildung von Frauen und ihrer Fruchtbarkeit vor dem demographischen Übergang abzuschätzen. Auch bei Kontrolle anderer Variablen bleibt ein Effekt der Bildung messbar.
Becker / Wößmann (2013)1886-1911Die Daten zeigen einen deutlichen Rückgang der Kirchenbesuche, der mit steigenden Einkommen einhergeht. Der Querschnitt zeigt auch einen negativen Zusammenhang zwischen Einkommen und Kirchenbesuch. Der Zusammenhang verschwindet jedoch in Panel-Analysen. Die Ergebnisse lassen Zweifel an kausalen Interpretationen des religiös-ökonomischen Nexus in der preußischen Säkularisierung aufkommen.
Cinnirella / Hornung (2016)1816, 1849, 1864, 1886, 1896Inwieweit beeinflusste die Konzentration der Grundbesitzer die Verbreitung der Grundschulbildung in Preußen im 19. Jahrhundert: Landbesitzer verzögerten die Nachfrage der Bauern nach Bildung und die Verbreitung der Massengrundschulbildung.
Satyanath/Voigtländer/Voth (2017)1930Dichtere soziale Netzwerke gingen mit einem schnelleren Eintritt in die NSDAP einher; die Parteimitgliedschaft sagt wiederum den Wahlerfolg voraus. Die Auswirkungen des Sozialkapitals hingen vom politischen Kontext ab: In Bundesländern mit stabileren Regierungen korrelierte eine höhere Assoziationsdichte nicht mit einem schnelleren Eintritt der NSDAP.
Braun / Kramer / Kvasnicka (2017)1939, 1946, 1950, 1961, 1970Anhand detaillierter Zensusdaten von 1939 bis 1970 wird gezeigt, dass die Bevölkerungsverteilung von 8 Mio. Vertriebenen die lokalen Arbeitsmärkte in Westdeutschland nachhaltig beeinflusst hat, jedoch nur einen vorübergehenden Effekt auf die Verteilung zwischen den Arbeitsmärkten hatte.
Peters (2017)1933, 1939, 1950, 1956, 1961, 1970Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwischen 1945 und 1948 etwa 12 Millionen Deutsche aus Mittel- und Osteuropa vertrieben. Die Zuflüsse von Flüchtlingen korrelieren regional positiv mit dem Pro-Kopf-Einkommen und der Gesamtbeschäftigung im verarbeitenden Gewerbe.
Franke (2017)Daten von Redding und Sturm (2008) , ergänzt 1952, 1953.Anders als Redding und Sturm (2008) ist das Ergebnis, dass Städte nahe der ostwestdeutschen Grenze aufgrund der Teilung nicht einen deutlichen Rückgang des Bevölkerungswachstums verzeichneten, sondern eher von der internen Migration von Flüchtlingen in den fünfziger Jahren als vom Verlust des Marktzugangs bestimmt wurden.
Chevalier et al. (2018)1950erAuswirkungen der Einwanderung von Vertriebenen auf die öffentliche Politik: Als Reaktion auf den Zufluss wurden landwirtschaftliche und gewerbliche Eigentümer stärker besteuert, während die Besteuerung von Wohnimmobilien und Lohnrechnungen unverändert blieb. Darüber hinaus haben die Städte mit hohen Zuflüssen die Sozialausgaben erheblich erhöht und gleichzeitig die Ausgaben für Infrastruktur und Wohnraum gesenkt. Die Wahldaten deuten darauf hin, dass diese politischen Änderungen teilweise durch den politischen Einfluss der Vertriebenen verstärkt wurden.
Maurer (2018)1912, 1925, 1933, 1939Belohnten die Nationalsozialisten ihre Wählerschaft durch ihre Wirtschaftspolitik nach ihrem Amtsantritt im Jahr 1933? Städte mit höheren NSDAP-Stimmanteilen verzeichneten einen relativen Anstieg der öffentlichen Beschäftigung: für jeden weiteren Prozentpunkt des Stimmanteils stiegen die Beschäftigungschancen um rund 2,5 Prozent.
Voigtländer / Voth (2019)1933-1939Der Bau von Autobahnen hat die Unterstützung der NS-Diktatur durch die Bervölkerung gestärtkt.
Bukowski (2019)19. Jh.Auswirkungen der polnischen Teilungen des 19. Jahrhunderts auf Österreich, Preußen und Russland auf die aktuellen Schülerleistungen
Hollenbach (2019)19. Jh.Wann fordern die wirtschaftlichen und politischen Eliten Investitionen in öffentliche Güter und Dienstleistungen? Die vorherrschende Ansicht ist, dass nicht-demokratische Regierungen zu niedrigen Staatsausgaben und Steuern neigen, weil die Eliten an niedrigen Steuern interessiert sind. Wirtschaftliche Bedürfnisse der lokalen Eliten haben die Entscheidungen der Kommunen über die öffentlichen Ausgaben beeinflusst.

Bibliographie

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Anmerkungen:

  1. Das folgende Beispiel aus: Statistik des Deutschen Reichs N.F. Bd. 401