Wie viele Ritter gab es?

12 Jun

Der berittene Krieger in schwerer Rüstung, mit Lanze und Schild, der an Turnieren teilnimmt und ritterlichen Tugenden folgt: So oder so ähnlich mag man sich heutzutage einen mittelalterlichen Ritter vorstellen. Wenn sich diese Vorstellung auch mit der spätmittelalterlichen Vorstellung von Rittern decken mag, so sind die tatsächlichen Ritter, im lateinischen miles oder milites, erst über die Jahrhunderte hinweg entstanden und zu einem eigenen Stand geworden. Im 8./9. Jahrhundert bezeichnet milites noch ganz einfache Krieger. Durch den Kampf gegen berittene Feinde wurde schließlich die Bildung eines eigenen Reiterheeres notwendig. Die nun berittenen Krieger gewannen schließlich noch an größerer Bedeutung durch die Vasallen und die Ministerialen. Die Vasallen, das waren diejenigen, die unter dem Schutz eines Herren standen und im Gegenzug abgaben leisten mussten, traten häufiger in wichtigen Stellungen auf. Und auch die Ministerialen, die Dienstmannen von König, Adel und hoher Geistigkeit, wurden mit der Zeit unter dem Begriff der milites gefasst. Zur Zeit der Kreuzzüge wurde das Bild des milites christi immer populärer und machte die Rolle des Ritters auch für immer mehr Adelige von Interesse, sodass auch Grafen und Herzöge in verschiedenen Quellen als „Ritter“ erscheinen. Letztlich war das Rittertum zu einem eigenen Stand geworden, der es auch Nichtadeligen möglich machte, sich dem Stand der Adeligen anzunähern. Das Ideal des Hochadels findet sich so auch bei den ritterlichen Tugenden, deren Vorbild das Wesen der Adelshöfe war.

Doch wie viele Ritter gab es eigentlich? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen die Suche nach Zahlen in historischen Überlieferungen, zum Beispiel zu Kriegszeiten oder zu Ritterturnieren. Hier kann verzeichnet sein, wie viele Ritter in die Schlacht oder aber zum Turnier aufgebrochen sind. Das wohl beeindruckendste Beispiel einer solchen Überlieferung, die in der Literatur gerne aufgegriffen wird, ist der Mainzer Hoftag unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Dieser veranstaltete im Mai 1184 ein großes Pfingstfest. Anlass war die Schwertleite seiner beiden Söhne, also ihr Schlag zum Ritter. Zur Feier dieses Ereignisses sollen rund 70.000 Ritter angereist sein. In den überlieferten Berichten über den Hoftag werden 9.000 dieser Ritter ihren Herren zugeordnet. Noch zahlreiche weitere hohe Persönlichkeiten waren zu den Festlichkeiten eingeladen und nahmen auch teil, hierbei finden sich um Teil jedoch nur Aussagen, dass sie mit einem prächtigen Gefolge anreisten und sonst keine genauen Angaben. Doch auch die Zahlen, die überliefert sind, sollte man nicht einfach für bare Münze nehmen. Es ist fraglich, ob die erschienenen Ritter tatsächlich einzeln durchgezählt wurden, oder ob es sich bei den Angaben zu ihrer Menge nicht einfach um grobe Schätzungen handelt.

Eine weitere Möglichkeit, um an Zahlen zu kommen, ist über das Amt der Ministerialen. Sucht man für einen gewissen Raum, zum Beispiel für eine Grafschaft, in Urkunden und Annalen nach allen Nennungen von Ministerialen und anderen, ähnlich gestellten Personen, kann eine Liste der möglichen Ritter für diesen Raum zusammengestellt werden. Mit dieser Methode konnten für den Herrschaftsbereich der Markgrafen von Baden im Zeitraum von 1190 bis 1300 insgesamt 93 Personen gefunden werden, bei denen es sich theoretisch um Ritter gehandelt haben kann.

Noch zahlreiche weitere hohe Persönlichkeiten waren zu den Festlichkeiten eingeladen und nahmen auch teil, hierbei finden sich um Teil jedoch nur Aussagen, dass sie mit einem prächtigen Gefolge anreisten und sonst keine genauen Angaben.
Doch auch die Zahlen, die überliefert sind, sollte man nicht einfach für bare Münze nehmen. Es ist fraglich, ob die erschienenen Ritter tatsächlich einzeln durchgezählt wurden, oder ob es sich bei den Angaben zu ihrer Menge nicht einfach um grobe Schätzungen handelt.


Lea Charlotte Korb, 4. Fachsemester Geschichte (B.A.).